Mikroabenteuer in Hamburg: Der Ruinenwald in den Besenhorster Sandbergen

Zuletzt aktualisiert am 13. Dezember 2022 um 19:10

Manchmal reicht ein kleiner Abstecher von den alltäglichen Wegen, und man ist in einer anderen Welt: Mikroabenteuer sind nachhaltig, zeitsparend, kostengünstig und im besten Falle magisch. Wie der überraschende Lost Place an der Elbe, dort, wo Hamburg und Schleswig-Holstein aufeinandertreffen: die Besenhorster Sandberge.

Ländliche Idylle mit Pulverfabrik

Ruinen Düneberger Pulverfabrik
Besenhorster Sandberge, Pulverfabrik

Deiche, Bauernhäuser, Gemüsefelder – und plötzlich ein Waldstück mit Lost-Places-Charme: Ganz im Südosten Hamburgs, auf der Grenze zwischen der Hansestadt und Schleswig-Holstein, direkt an der Elbe, liegt ein seltsames Stück Landschaft – ein dichter, stiller Wald mit Sanddünen und den Ruinen einer alten Pulverfabrik.

Ruinenwald Altengamme

Diese Pulverfabrik geht auf Bismark zurück. Er bekam das Land, das heute “Naturschutzgebiet Besenhorster Sandberge” heißt, von Kaiser Wilhelm I. geschenkt – und verpachtete es lukrativ an einen Industriemagnaten, der hier Schießpulver herstellen wollte. “Düneberg” nannte Bismarck das Landstück, auf dem bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Munition produziert wurde, während ein paar hundert Meter weiter die Bauern der Vier- und Marschlande das Gemüse anbauten, das in Hamburg auf den Tisch kam.

Besenhorster Sanddünen
Besenhorster Elbsandwiesen

Munition war in Deutschland nur allzu oft ein gefragtes Gut

Nach Kriegsende wurde die Düneberger Pulverfabrik stillgelegt – aber es dauerte nicht lange, bis Deutschland erneut Munition in großem Umfang herstellte. 1934 ging es wieder los mit der Pulverproduktion den Elbdünen. Schluss war damit erst ganz am Ende des Zweiten Weltkrieges, als das Fabrikgelände “Birke” im April 1945 bombardiert wurde.

Besenhorster Sanddünen
Lost Place Hamburg

Von dem Zeitpunkt an verwandelte sich die Landschaft. Die massiven Bauten der Fabrikanlage, die vor allem dazu gedacht waren, die Umgebung vor Explosionen zu schützen, wurden entseucht, gesprengt, abgetragen. Was übrig blieb, verfiel und wurde langsam von der Natur wiedererobert. Moose siedelten sich auf den Steinen an, kleinere Reste der Pulverfabrik wurden von der Vegetation im Wald so umwuchert, dass man sie manchmal nur mit Mühe entdeckt. Hier und da verewigten Graffitikünstler sich auf dem Beton.

Die Besenhorster Sandberge: ein verwunschener Lost Place

Ruinenwald Geesthacht
Besenhorster Ruinenwald

Wenn in den Besenhorster Sandbergen ein armiertes Betonstück aus dem Unterholz ragt oder ein Mäuerchen am Wegesrand in verborgene Höhlen zu führen scheint, dann begegnet man mitten im friedlichen, natürgeschützten, nur von Spaziergängern und Tieren bevölkerten Wald den Spuren einer überhaupt nicht friedlichen Geschichte. Das fühlt sich wundersam an. Und unerwartet – selbst, wenn man vorher über die Historie des Waldstücks im Bilde ist. Mögen wir Lost Places, weil sie uns Geschichten erzählen, die wir uns zur Hälfte selbst zusammenreimen müssen? Weil sie ein kleines bisschen gruselig sind? Weil sie uns aus der normalen Welt für einen Augenblick herausreißen in ein ganz eigenes, geheimnisvolles Reich?

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