Mausoleum Baron von Schröder/ Kretschmer

Es ist ein leichtes Unterfangen, sich in den verschlungenen Pfaden des Ohlsdorfer Friedhofs, eingebettet zwischen schattigen Kapellen, ehrwürdigen Gräbern und dichter Vegetation, zu verlieren. Doch wer sich voller Neugierde auf die Suche begibt, wird mit beeindruckenden Entdeckungen belohnt: Hier reihen sich die prächtigen Mausoleen der einflussreichsten Hamburger Familien aneinander. Ein besonders auffälliges Exemplar thront direkt vor der Kapelle 7. Es überragt die anderen sowohl in seiner Größe als auch in seinem verfallenen Zustand – das Mausoleum Baron von Schröder/Kretschmer.

Neben diesem zerfallenden Monument erhebt sich Hugo Lederers Marmorskulptur „Das Schicksal“, eine düstere Darstellung einer Frau, die zwei Menschen mit unerbittlichem Griff in den Tod zieht. Diese melancholische Szenerie verleiht dem Ort eine unheimliche Faszination. Errichtet wurde das imposante Bauwerk 1906 von Charles von Schröder, Sohn des prominenten Unternehmers Johann Heinrich von Schröder. Bis zur letzten Beisetzung 1958 blieb die Gruft im Familienbesitz, danach verfiel sie zusehends.

Das Licht der Sonne, das durch die verbleibenden Bleiglasfenster fällt, taucht das Innere des einst prachtvollen Mausoleums in ein unwirkliches Schimmern. Doch das Moos, das sich inzwischen über die einst kunstvoll verzierten Decken und Wände ausbreitet, erzählt von den Jahren des Verfalls und des Vergessens. Ein Hauch von Nostalgie liegt in der Luft; ein Gefühl, das durch das leise Rascheln der Blätter und das Flüstern des Windes verstärkt wird.

Im Jahr 2009 nahm der Investor Klausmartin Kretschmer das Schicksal des Mausoleums in seine Hände. Er verpflichtete sich zur Sanierung des Bauwerks und plante vielfältige öffentliche Veranstaltungen, um diesem Ort neues Leben einzuhauchen. Die Aufführung von Sylvia Madsacks Vampir-Roman „Hymne an die Nacht“ im April 2014 war ein solches Ereignis, das den historischen Ort in eine Bühne der Fantasie und Faszination verwandelte. Doch plötzlich und ohne Vorwarnung kamen die Bauarbeiten zum Stillstand.

Heute steht das Mausoleum immer noch, einsam und verfallen, und sein Schicksal bleibt ungewiss. Die Abdeckplane, die das Dach schützen sollte, ist längst von Wind und Wetter fortgerissen, und Feuchtigkeit hat das Innere besetzt, wodurch sich Schimmel breitgemacht hat.

Eine gründliche Sanierung würde mehrere Millionen Euro kosten, doch der Aufwand wäre es wert. Dieses größte Mausoleum Nordeuropas ist durch seine Bauweise einzigartig. Die exquisiten Sandsteinverzierungen im Inneren erzählen biblische Geschichten, während die farbenprächtigen Bleiglasfenster das Sonnenlicht in einem kaleidoskopischen Tanz auf den gemusterten Steinboden werfen. Solcher Kunstfertigkeit droht jedoch der völlige Verfall. Was bleibt, ist ein Überbleibsel der Vergänglichkeit, ein unheimlicher Ort, der gleichsam fasziniert un

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