Gummifabrik Harburg

Über eine Strecke von über 200 Metern erstrecken sich die majestätischen, dreigeschossigen Backsteingebäude der legendären Gummifabrik. Diese baulichen Kolosse werfen lange, bedrohliche Schatten auf die darunter liegenden Straßen und passen wie Puzzlestücke in die Harburger Industrielandschaft. Doch je näher man den Gebäuden kommt, desto mehr offenbart sich eine erschütternde Wahrheit: Der Glanz vergangener Zeiten ist längst verblasst, und die einst stolzen Mauern mutieren nun zu traurigen Ruinen. Massive Holzbretter blockieren vielerorts die Sicht nach innen, und dort, wo diese Hindernisse fehlen, findet man zerschlagene Fenster und klaffende Löcher in den Fassaden.

Wer es wagt, seinen Hals zu verrenken und durch eine der zerschmetterten Scheiben zu spähen, wird Zeuge eines farbenfrohen, wenngleich chaotischen Mosaiks aus Graffiti. Einige der Schriftzüge und Bilder sind schon verblasst, während an anderen noch feuchte Farbtropfen herabperlen. Ein Blick durch die Gitter der Kellerfenster enthüllt eine trostlose Szene: Regenwasser hat die Räume überflutet, durchsetzt mit Blättern und weggeworfenen Plastikflaschen. Die Wände, einst stabil und fest, bröckeln nun unter dem Zahn der Zeit. Dieses bedrückende Szenario zeichnet das Bild eines Komplexes, der einst Harburgs ganzer Stolz war, nun aber langsam und unaufhaltsam zerfällt.

Die Geschichte der Gummifabrik beginnt 1856, als Hamburg sich rühmt, die erste europäische Stadt mit einer Hartgummifabrik zu sein. Das kürzlich erworbene Patent öffnet der New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie (NYH) Tür und Tor zu internationalem Ruhm. Unter ikonischen Produktnamen wie „Hercules-Sägemann“, „Matador“ und „Triumph“ werden die Kämme der NYH schnell unverzichtbare Werkzeuge für Friseur:innen weltweit. 1954 übernimmt der Harburger Standort, nachdem die Fabrik in Barmbek im Zweiten Weltkrieg schwere Schäden erlitten hat, den Großteil der Produktion. Neue Gebäude entstehen, alte werden erweitert, und die Flure der Fabrik sind erfüllt von Leben und geschäftigem Treiben.

Doch 2009 endet diese Ära abrupt, als die Produktion nach Lüneburg verlagert wird. In den nun leeren Hallen hallt eine einzige Frage wider: „Was wird jetzt aus der Gummifabrik?“ Bis heute bleibt diese Schicksalsfrage unbeantwortet. Die vergangenen Jahre brachten ständige Besitzerwechsel mit sich, während Denkmalschutzbehörden, Gesundheitsämter, Stadtplaner Harburgs und Investoren in einem schier endlosen Tauziehen verharren. Währenddessen zerbröckeln die alten Mauern immer mehr und verlieren an Substanz und Stabilität – e

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