60 Jahre Freiwilliges Soziales Jahr: Mittelkürzungen bedrohen den Freiwilligendienst

60 Jahre Freiwilliges Soziales Jahr: Mittelkürzungen bedrohen den Freiwilligendienst

Rund1.000 zumeist junge Menschen leisten jedes Jahr einen Freiwilligendienst in einer Einrichtung der Diakonie Hamburg, die Nachfrage ist weiterhin groß. Diese besondere Form des Engagements leistet einen großen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt: Hier begegnen sich unterschiedliche Menschen oft über soziale und kulturelle Grenzen und über Generationen hinweg. Doch die Zukunft des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ), das am 29. April auf 60 Jahre auf erfolgreiche Arbeit zurückblicken kann, ist von Mittelkürzungen durch den Bund bedroht.

Das Diakonische Werk Hamburg muss erste Konsequenzen ziehen: Aufgrund des hohen finanziellen Risikos wird der FSJ/BFD-Jahrgang 2024/2025 nicht wie gewohnt angeboten: Das besondere Programm FSJ 4 YOU wird zunächst für einen Jahrgang ausgesetzt. „Dieses Angebot für junge Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf benötigt die meisten Ressourcen. Hier arbeiten wir mit einer deutlich kleineren Gruppe, bieten intensivere pädagogische Begleitung sowie Begleitung im Übergang in sowie aus dem Dienst in eine Anschlussperspektive. Und das können wir so leider nicht mehr gewährleisten. Selbstverständlich stehen dieser Zielgruppe unsere regulären Freiwilligendienste offen“, erläutert Alexandra Hachmeister, Leitung Arbeitsbereich Freiwilligendienste und Personalgewinnung, und fordert Planungssicherheit und eine Rücknahme der geplanten Kürzungen.

Für den Jahrgang 2024/25 sind massive Kürzungen der Haushaltsmittel für die Freiwilligendienste angekündigt. Dies führt jetzt bereits zu Kürzungen von 7,5 Prozent für den neuen FSJ-Jahrgang, der ab September 2024 startet, und zu Kürzungen von 25 Prozent für den Bundesfreiwilligendienst ab Anfang 2025. Für den Jahrgang ab Sommer 2025 stehen im FSJ sogar weitere Kürzungen von 35 Prozent gegenüber 2023/2024 im Raum. Die geplanten Mittelkürzungen werden die Zahl der Plätze in den Freiwilligendiensten deutlich reduzieren, die Vielfalt der Einsatzstellen einschränken und die erreichbaren Zielgruppen verkleinern. Damit wird ein wichtiges Instrument zur Gewinnung junger Menschen für soziale Berufe und gesellschaftliches Engagement massiv beschnitten.

Hintergrund

Am 29. April 1964 wurde das Gesetz zur Förderung eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) vom Bundestag verabschiedet. Das Gesetz schuf den rechtlichen Rahmen für Freiwilligendienste, die bereits zehn Jahre zuvor mit dem Aufruf zum Diakonischen Jahr ihren Anfang genommen hatten. Bis heute haben sich Dienste wie das FSJ, der Bundesfreiwilligendienst (BFD) und die internationalen Freiwilligendienste gut etabliert: Seit Beginn des Diakonischen Jahres 1954 (als Vorläufer des heutigen Freiwilligen Sozialen Jahres) haben 300.000 überwiegend junge Menschen einen Freiwilligendienst in einer evangelischen Einrichtung geleistet.

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